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Für frühere Generationen war ihr Erzeuger ein untriebiger
Rolling Stone, bei jüngeren ist er einfach eine Plötze. Steht
zumindest so im Wörterbuch unter ‘roach' und meint eine Fischart.
Umgangssprachliche Assoziationen engen den Bandnamen
Spekulations-Kreislauf dann auf cock-roach (Kakerlake) respektive
einen Joint-Stummel ein, aber das alles hat hier nicht zu
interessieren. In Wahrheit hieß einfach nur der Großvater von Sänger
Coby Dick mit Familiennamen Roatch und Drummer Dave Buckner hörte
früher eben gern eine ‘Papa Gato' betitelte Jazz CD. So einfach ist
das. Zumindest mit dem Namen. Musikalisch bräuchte man da schon
wieder ein paar mehr Ableitungen, denn hier hat das Crossover-Kind
viele Namen.
Womit wir wieder bei der jüngeren Generation wären. 1993 ist die
Highschool im nordkalifornischen Vacaville für Coby, Dave, Gitarrist
Jerry Horten und Bassist Will James jedenfalls der ideale Ort, um
sich mit Träumen vom musikalischen Durchbruch die langweiligen
Unterrichtstunden zu vertreiben. Schnell spielt man die ersten
eigenen EPs ‘Potatoes For Christmas' (1994) und ‘Caca Bonita' (1995)
ein, worauf sich der von Faith No More oder Rage Against The Machine
inspirierte Sound der Band bereits zu festigen beginnt.
Erste lokale Gigs sind das perfekt Live-Training für die junge Band,
die zielstrebig nach oben prescht. So trennt man sich 1996 von Will
James, welcher andere Prioritäten setzt und ersetzt diesen mit Tobin
Esperance, der ursprünglich als Roadie für sie tätig war.
Gleichzeitig suchen sich die Jungs einen neuen Manager. Das Ergebnis
ist das im darauf folgenden Jahr erscheinende Erstlingswerk ‘Old
Friends From Young Years', das im lokalen Radio zu einem kleinen Hit
avanciert. Nachdem somit ein erster Ruf erspielt ist, folgen Touren
mit prominenteren Vertretern der härteren Gangart, unter anderem den
Deftones oder Suicidal Tendencies, was dann auch den obligatorischen
Major-Deal auf den Plan ruft.
Die Früchte der Zusammenarbeit mit dem Big Business gedeihen 2000
unter dem Titel ‘Infest', dem zweiten Album der Band. Nicht zuletzt
auf Grund der Gassenhauer Single ‘Last Resort' sind Papa Roach auf
einmal in aller Munde und können auf ein dreifach mit Platin
ausgezeichnetes Werk blicken.
Zwei Jahre später hat Sänger Coby die Schnauze voll von seinem
Dicke-Hose-Pseudonym und kehrt zu seinem Geburtsnamen Jacoby Shaddix
zurück. Die Band veröffentlicht indes mit ‘Lovehatetragedy' ihren
dritten Langspieler, worauf sie bereits damit beginnen, ihren
Rap-Metal-Flirt zugunsten eines mehr Punk und Metal verpflichteten,
vielschichtigen Sounds in die Endphase einzuleiten.
‘Getting Away With Murder', aus dem Jahre 2004, könnte man gelassen
als gereift bezeichnen. Reduzierter und kompakter, sowie melodiös
ausgefeilter präsentieren sich die Jungs hierauf und Shaddix gibt
sich nicht nur visuell sondern auch stimmlich gewandelt - weg vom
Geschrei und hin zu mehr Gesang. Papa Roach beweisen erneut, dass
sie mit vielem durchkommen und ihr Bandgeflecht zu allerlei
abwechslungsreichen Auswüchsen und Stilblüten fähig ist.
Musikalischem Schubladendenken und vorausschaubaren Täterprofilen
schlägt der Vierer eine Harke, und so sollte es auch sein, wenn man
die nicht minder jederzeit (unan-) greifbaren Faith No More ganz
oben auf der Idolliste stehen hat.
Ende 2005. Man nehme ein geschichtsträchtiges Haus wie die
Paramour Mansion, eine Band mit einem klaren Plan wie Papa Roach und
sieht zu wie etwas Unerwartetes passiert.
"Wir zogen also in die Villa, und unser einziger Plan war, die
schonungsloseste, fieseste Platte überhaupt aufzunehmen", erklärt
Sänger Jacoby Shaddix die Absicht seiner Band Papa Roach. "Als wir
aber schließlich eingezogen waren, bemerkten wir schon bald, dass
das Gebäude eine Aura hat, die stärker war als unsere Pläne. Schon
bei der ersten Jam-Session wurde uns klar, dass etwas ganz
Außergewöhnliches, etwas völlig Unerwartetes abging. Noch nie zuvor
hatten wir sechs, sieben Stunden am Stück Musik gemacht - hier aber
konnten wir nicht anders! Wir mussten einfach alle Kreativ-Schleusen
aufreißen und loslegen!" Auf ihrem fünften Album ließen sich Papa
Roach treiben. Mal in Richtung Metal, dann Hardcore, Punkrock und um
dann ein Fünkchen Pop zu finden. "The Paramour Sessions" ist ein
wahrer Gefühlsstrudel. Es geht um Liebe, um knallharte Gewalt, um
Sex, Drogen und um Rock'n'Roll, dann geht es um Ängste, aber auch um
unglaubliche Stärke - und es geht um eine Band, die sich treiben
lässt und am Ende zu sich selbst findet.
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